Reisemedizin aktuell

Hier finden Sie aktuelle gesundheitsrelevante reisemedizinsche Themen.



Hepatitis A

Offizielle Warnung der WHO vor erheblichem Anstieg der Hepatitis A Infektionen in Europa und den USA. Ungewöhnlich ist vor allem neben dem Anstieg der nachgewiesenen Infektionen eine ungewöhnlich hohe Sterblichkeitsrate. Die Ursache ist noch unklar und wird weiterhin untersucht. Die Betroffenen sind überwiegend Suchtkranke und Obdachlose.

Nach einer Inkubationszeit von 2-6 Wochen beginnt die Erkrankung mit Grippe-ähnlicher Symptomatik (Fieber, Appetitlosig-keit, Übelkeit, Erbrechen), gefolgt von einer Dunkelfärbung des Urins und Entfernung des Stuhls. Zuletzt erfolgt eine Gelbfärbung der Augen und Haut. Die Übertragung erfolgt über verunreinigte Nahrung oder Trinkwasser.

Zur Vorbeugung ist eine Impfung möglich. Diese sollte mindestens 2 Wochen vor Einreise erfolgen. Für weitere Informationen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Cholera

Cholera tritt insbesondere in Ländern mit niedrigem Hygienestandard auf, wie zum Beispiel in Kenia, Tansania, Uganda, Malawi, Indien oder auch der Dominikanischen Republik (aktuell Choleraepidemien lt. Centrum für Reisemedizin). 

Der Erreger wird über verunreinigtes Wasser oder Nahrung aufgenommen und vermehrt sich im Körper 2-5 Tage bevor es zu typischen wässrigen Durchfällen mit Erbrechen kommt. Behandelt wird symptomatisch mit Flüssigkeit und Elektrolyten, sowie ggf. bei schweren Verläufen mit einem Antibiotikum. Unbehandelt kann die Erkrankung zu Kreislaufschock oder Nierenversagen führen und somit potentiell tödlich verlaufen.

Aktuell sind nach Angaben der WHO und Unicef im Jemen etwa 800.000 Menschen betroffen und es wird eine tägliche Zunahme von 5.000 Erkrankungen befürchtet.

Verbeugend ist eine Impfung empfehlenswert bei Einreise in betroffene Länder. Diese Impfung schützt zu 85% für die folgenden 2 Jahre vor Infektion mit dem Erreger. Zusätzlich sollte nur abgekochtes oder reines Wasser aus sicheren Quellen verwendet werden um sich z.B. die Zähne zu putzen. Aber auch häufiges Händewaschen und anschließendes Desinfizieren kann vor einer Infektion schützen. 

Die Impfung besteht aus 2 Schluckimpfungen (im Abstand von mindestens 1er Woche bis maximal 6 Wochen) und entfaltet die Schutzwirkung ab 1er Woche nach der 2ten Impfdosis. Gelegentlich können leichte Verdauungsstörungen auftreten, sehr selten aber auch leichte Allgemeinerscheinungen. Häufig kommt es auch zu einer Schutzwirkung gegen ETEC (häufiger Erreger von Magendarminfektionen auf Reisen), da diese das hitzelabile "Cholera-like-toxin" bilden. Kinder von 2-6 Jahren sollten für einen ausreichenden Schutz 3mal geimpft werden.


Zika-Virus

Ursprünglich kam dieses Virus in Asien und Afrika vor. Vermutlich im Rahmen der Fussball-WM 2015 wurde das Zita-Virus nach Südamerika eingeschleppt und hat sich seitdem rasant über Süd- und Mittelamerika verbreitet (bereits 31 Staaten des amerikanischen Kontinents und der Karibik sind betroffen). Das am stärksten betroffene Land ist Brasilien. 

Schwangere Frauen oder Frauen mit Kinderwunsch wird von Reisen in Gebiete mit aktuellen Ausbrüchen Abgeraten. In den Endemiegbieten kommt es zu einer Häufung von Kindern mit Mikrozephalie (Kinder mit zu geringem Kopfumfang) und bei Neugeborenen zu einer Häufung von neurologischen Erkrankungen wie beispielsweise dem Guillain-Barre-Syndrom. Ein Zusammenhang zu den Zita-Virus-Infektionen wird als wahrscheinlich angenommen. Allerdings ist das Wissen über diese Viren bisher sehr lückenhaft und es wird intensiv geforscht, um mehr über diese Viren zu erfahren.

Die Übertragung des Zika-Virus erfolgt durch tagaktive Mücken. In der Regel verläuft das Zika-Fieber leichter als das dort vorkommende Dengle-Fieber (von der selben Mückenart übertragen). Typische Symptome sind Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, sowie nichteitrige Bindehautentzündungen. Innerhalb von meist einer Wochen klingen die Symptome von allein wieder ab. Bei etwa 80% der Infizierten liegt ein symptomatischer Verlauf vor (ohne Krankheitszeichen). Eine spezifische Therapie der Mika-Virus-Infektion existiert aktuell nicht. Empfohlene Maßnahmen betreffen Fiebersenkung, Schmerzlinderung und ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit.

Deswegen prophylaktisch: Reisende, insbesondere Schwangere, sollten auf sorgfältigen Mückenschutz achten. 


Dengue Fieber 

Ende 2015 wurde mit Dengvaxia der weltweit erste Impfstoff gegen Dengue in Mexiko zugelassen. Die tetravalente Lebendimpfung basiert auf einer Chimäre, die aus dem Gelbfieber-Impfstamm geschaffenwurde. Hier wurden gentechnische Erbinformationen zum Hüllprotein des Gelbfiebervirus ersetzt durch solche zu den Dengue-Viren 1-4. Das Impfschema ist relativ aufwändig mit drei Impfdosen im jeweils 6-monatigen Abstand (0, 6, 12 Monate), die Zulassung ist auf die Altersspanne 9-45 Jahre beschränkt. In den Zulassungsstudien wurden insgesamt mehr als 60.000 Probanden geimpft. Die Daten zur Sicherheit der Impfung sind gut. Sanofi Pasteur gibt auch an, dass kein Signal für eine Zunahme von Dengue hämorrhagischem Fieber (DHF) entdeckt wurde. In den ersten Analysen erwies sich die Impfung auch ein Jahr nach erfolgter Grundimmunisierung als sehr immunogen gegen alle 4 Dengue-Serotypen. Jedoch waren die Ergebnisse zur protektiven Effektivität, der tatsächlichen Schutzrate gegen die Erkrankung, eher enttäuschend. Nach Analyseprotokoll lag die Effektivität der Impfung in Lateinamerika bei lediglich 30,2%, mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen für die Serotypen: 55,6% für Typ1, 9,2% für Typ2, 75,3% für Typ3 und 100% für Typ4. Folgestudien und Nachberechnungen mit Reduktion der Effektivität auf bestimmte Altersgruppen ergaben eine etwas bessere Schutzrate, die nun laut Presseerklärung mit 60% angegeben wird. Hierbei scheinen vor allem jugendliche Impflinge zu profitieren, die bereits eine Episode von Dengue durchgemacht haben. Zulassungen in weiteren Ländern werden folgen, hier sind zunächst unter anderem Brasilien und Indien geplant. Eine Zulassung oder gar Vermarktung in der westlichen Welt ist nicht geplant. Schon relativ früh in der Auswertung der Zulassungsstudien war absehbar, dass dies mit zahlreichen Rückfragen der EMA und FDA und Forderungen nach weiteren Studien verbunden sein würde. In Zusammenschau der bisher publizierten Daten kann der Impfstoff Reisenden nicht empfohlen werden. Aufgrund der fehlenden Zulassung durch die EMA ist er in Europa auch nicht verfügbar, ein Import aus Mexiko oder Brasilien wäre nur unter erheblichen Kosten zu realisieren und könnte zudem durch die fehlende Produkthaftung potentiell zu nicht unerheblichen juristischen Komplikationen führen.